Possehl-Ingenieurpreis

Possehl-Ingenieurpreis 2021 vergeben

Sie digitalisieren, machen Krankheiten sichtbar und entwerfen im UNESCO Welterbe 

Der Possehl-Ingenieurpreis 2021 für Absolvent:innen der Technischen Hochschule Lübeck in Höhe von 5.000 Euro geht an Micha Studer für seine Bacherlorarbeit "Feldsimulationen zur Integration von Antennen in ein Beatmungsgerät". Jan Oertling und Lennart Kaster freuen sich bei der Preisverleihung am 14. Dezember jeweils über eine Prämie von 2.500 Euro.

Preisträger Possehl-Ingenieurpreis 2021

v.l.: Prämienpreisträger Lennart Kaster und Jan Oertling,  Possehl-Preisträger Micha Studer , © Agentur 54° John Garve

 Ausgezeichnet: Forschung zur Digitalisierung im Krankenhaus

Die Digitalisierung von Krankenhäusern bietet die große Chance, dem überlasteten Pflegepersonal Dokumentationsarbeit und manuelle Geräteeinstellungen abzunehmen. So bleibt mehr Zeit für die wichtigste Aufgabe der Pfleger:innen, die Betreuung der Patient:innen. Der Possehl-Ingenieurpreisträger Micha Studer beschäftigte sich in seiner Bachelorarbeit genau damit.

„Ein wichtiges Thema im Bereich der Digitalisierung in Krankenhäusern ist beispielsweise die Vernetzung von Beatmungsgeräten, Patientenmonitoren und Inkubatoren untereinander“, sagt Studer. Dabei wird zunehmend auf drahtlose Verbindungen durch Antennen gesetzt, da diese Verbindungen eine hohe Flexibilität für das medizinische Personal bieten. „Hier tritt das Problem auf: beim Einbau von Antennen in Beatmungsgeräte verändern sich die elektrischen Eigenschaften der Antenne. Zum Beispiel schirmt das Gerät die Antenne ab. Dadurch kann die Information vom Gerät nicht mehr zum Empfänger gelangen“, erläutert Studer weiter.

In seiner Bachelorarbeit hat sich sich der Preisträger mit der Frage beschäftigt, ob man diese Veränderungen der elektrischen Eigenschaften der Antenne mit einer Computersimulation vorhersagen kann. Der Student erstellte ein 3D-Modell von einem Beatmungsgerät mit eingebauter Antenne und simulierte wie diese aus dem Gerät sendet. Zum Vergleich machte er Messungen mit dem realen Beatmungsgerät und es zeigte sich: seine Vorhersagen trafen mit wenigen Abweichungen zu. „Mit dieser Methode könnte die Vernetzung von Geräten in Krankenhäusern vorangetrieben werden“, sagt Micha Studer.

 Erkranktes Lungengewebe röntgen und Krankheiten erkennen

Der TH Lübeck Absolvent Lennard Kaster erhielt eine Förderprämie für seine Bachelorarbeit. Innerhalb einer Forschungsgruppe an der TU München durfte sich der Biomedizintechnik Student intensiv mit der Phasenkontrast- und Dunkelfeldbildgebung beschäftigen. Im Vergleich zur konventionellen Röntgenaufnahme basiert die Dunkelfeldbildgebung auf der Streuung der Röntgenstrahlen, wodurch weiches und feines Gewebe sichtbar wird - wie zum Beispiel die kleinen und verästelten Strukturen der Lungenbläschen.

„Die Bildgebung hilft bereits dem medizinischen Personal dabei, Erkrankungen wie COPD und Covid-19 früher und sicherer zu erkennen. Aber auch bei vielen weiteren Krankheiten wie unter anderem Brustkrebs oder Lungenkrebs können die neuen Methoden helfen“, sagt Lennard Kaster. In seiner Bachelorarbeit hat Kaster ein physikalisches Modell erstellt, welches die Eigenschaften des Gewebes für die Dunkelfeldbildgebung bestimmen kann, die von Krankheiten charakteristisch verändert werden. Dadurch könnte in Zukunft besser zwischen Krankheiten unterschieden werden.

 Entwerfen im UNESCO Welterbe - die Königsklasse

Der Architekt plante für seine Masterarbeit ein Gebäude mitten auf der Willy-Brandt-Straße im Hamburger Kontorhausviertel. Gegenüber des Chilehauses, umgeben vom UNESCO Welterbe, mit direktem Blick auf die Speicherstadt. „Sich mit dem Welterbe zu beschäftigen, das ist die Königsklasse, weil man sehr viele Feinheiten berücksichtigen muss“, erläutert der 27-Jährige weiter. Bisher gäbe es keine Handlungsanweisungen, wie im UNESCO Welterbe gebaut werden könnte. Dieser Aufgabe nahm sich der Architekt an.

„Die Frage war für mich: wie kann ich ein so schützenswertes Ensemble weiterentwickeln, sodass die Menschen vor Ort einen Nutzen aus dem neuen Gebäude ziehen?“ Seine Lösung: ein multifunktionales Kontorgebäude, das drei Nutzergruppen unter ein Dach bringt. Gewerbeflächen im unteren, Büros im mittleren und Wohnungen im oberen Bereich des Gebäudes und einem Flachdach mit Urban Gardening. „Mit meinem Entwurf habe ich den Genius Loci – den Geist des Ortes – aufgenommen. Er orientiert sich an der typischen regionalen Baukultur, den Fassaden, Fensterformen und der Hamburger Backsteinarchitektur“, sagt Jan Oertling weiter. Das Ziel: seiner Verantwortung als Architekt nachkommen und einen Beitrag zum 1,5 Grad Pfad beitragen, indem er ein zeitloses Gebäude schafft, das auch in den folgenden Generationen zum Stadtbild passt und den Menschen gefällt.

Die Preise wurden in der Possehl-Stiftung aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vergeben. 

Die Preisträger stellen ihre Arbeit vor:

Micha Studer: https://www.youtube.com/watch?v=OD9Gjt9RiH4
Lennart Kaster: https://www.youtube.com/watch?v=_WMTZ1Lsa9U
Jan Oertling: https://www.youtube.com/watch?v=gwBGqd2egcU 

 

Kontakt

Possehl-Stiftung Lübeck
Beckergrube 38 – 52
23552 Lübeck
E-Mail: possehl-stiftung(at)possehl.de
Tel.: 0451 / 148-200

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